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BERICHTE von großen Butterfahrten 2004

Madeira - Jahresausklang und Haupterschließung 2004 von muh
 


Gut 584 Jahre nachdem die ersten portugiesischen, unrasierten und mit Skorbut befallenen Seeleute die flache Bucht von Machico betraten, landeten wir mit ein paar spärlichen Hopsern auf der Landebahn von Madeira, welche kürzlich um 1 km Rollfeld auf nun immerhin 3,2 km Länge erweitert wurde.
Falls es unter den Lesern noch Freizeitpiloten gibt, zum Landen auf dieser lieblichen Insel bedarf es einer Sonderlizenz, da eine verissene Landung (diese kommt nach dem Take off) definitiv im Wasser endet. Soweit so gut. Entsprechend unseres Auftrages wurde schnell die Meutz Muh Travel Holding gegründet. Mit Winkelementen und tosenten Hallorufen wurden wir von Regina und Ray auf dem Airport zu Madeira herzlich in Empfang genommen. Wir möchten uns zu Beginn des Beitrages nochmals ganz herzlich für die sensationell liebevolle Gastfreundschaft und Hilfe der beiden sowie bei ihren Töchtern bedanken. Allen ambitionierten Madeirareisenden hier die Kontaktdaten für den Fahrschein feinster Betreuung.

Das Hotel Monte Carlo mit fallenden Sternen, aber mit Kellnern aus der ganz alten Schule, weißes Hemd, Fliege und Wischtuch überm Arm. Nach abladen der Bestellung nen Knicks wie zu Hofe.
 
Ebenso herzlich mit alten Charme und Etikette empfing uns der Portier des Hotels Monte Carlo, der alten Dame sozusagen. Neben zwei weiteren Hotels gehört dieses imposante Antlitz zu den ältesten Hotels von Funchal. Nach Süden ausgerichtet, mit Blick auf die Bucht, dem Hafen und dem wirren Treiben da unten in den Gassen lädt die mondäne Terrasse mit ihren Ornamenten und gewaltigen Säulen bis in die 3 Etage reichend, zum Kaffee ein. Nur scheinen die großen Jahre des Monte Carlos vorbeizusein, der dritte Stern bröckelt, die prüfenden Blicke scheinen nicht mehr den großen Gefallen am alt englischen Rauchsalon mit Piano oder dem Pool auf der Dachterrasse zu haben. Nichts für ungut, wir haben uns sehr wohl gefühlt.

Madeira mit dem im Süden liegenden Kanaren, im Westen die Azoren, bietet auch im Dezember Kurzehosenwetter. Den Schirm sollte man jedoch nicht vergessen, irgendwo auf der Insel regnet es immer. Ob nun im Zentralgebirge, am Nordkap, auf der Hochebene von xxx oder auf Santo Laurencon, einer Halbinsel direkt gegenüber der Insel Porto Santo. Madeira liegt unmittelbar am Atlantischen Graben, welcher auf über 4000m in die Tiefe führt. Die Schuppigen Walfischjahre sind vorbei, die der Tiefseefische jedoch noch lange nicht. Speziell der Espada, ein Aalähnlicher mit langer Schnauze und gut bezahnter, durch großer Augen ausgestatteter Fisch, der seine größten Vorzüge in der Pfanne unter Beweis stellt. An langen, dicht mit Ködern besetzten Schnürren wird er in einer Wassertiefe von ca. 700 m überlistet.


Wilde Brandung machte den alten von Skorbut und Läusen geplagten Seemännern immer wieder zu schaffen.
 

Hoch oder runter, meist sehr kurvig, ja, so könnte man das Straßennetz kurz umschreiben. Bis zu 30° Steigung sind keine Seltenheit. Die Ausflüge waren bis zur Einweihung der Schnellstrassen und Tunnel sehr Zeitintensiv. Bis in den Norden benötigte man gut 6 Stunden, mehr als 30-40 Sachen ließen auf sich dem Asphalt bzw. den Feldwegen nicht umsetzen. Auch sollte man sich im Gewirr der engen Gassen Funchals genau überlegen, ob's den ein kleiner Mietwagen für 30 Euro pro Tag auch tut.

 
Neben viel Fleeesch und Tiefseefisch gab's natürlich auch Zeit für romantische Ausblicke, und die berechtigte Frage, ob nun morgen wieder Fleeesch oder Fisch.
Manchmal auch umgekehrt.

In der längsten Ausdehnung misst die Insel 60 km, platt gedrückt immerhin 600 km. Gut 250000 Madeirenser erfreuen sich der immergrünen, voll Flora und Fauna strotzenden Insel, wovon schlauerweise 120000 Madeirenser in Funchal leben, dem Ort der geringsten Niederschläge und gut geschützt durch Berge vor den Nordostwinden, welche dorten beachtlich das Wetter bestimmen. Leider haben wir kein Exemplar der weltbekannten Silberhalstaube gesehen, weder im Busch noch auf der Speisekarte, umso mehr den international weit verbreiteten DrumBeatBeatle, eine sich immer ändernde Art kurzen Lebens. Wer dabei noch eine Strelitze (Papageienschnabelpflanze) sieht, der kann sagen, auf Madeira gewesen zu sein. Durch geschickte Bewässerungskanäle, hier wohlklingend Levadas genannt, gelingt es den Bauern immer wieder, große Erträge auf nahrhaften Vulkanboden zu erzielen. Allerlei Gemüse, Obst und Kühe bis die Schwarte kracht. 2150 km Levada ziehen sich Terrassenförmig durch die von den Bauern als interessant erklärten Gebieten, Gebirgen und Terrassen. Levadas gehören zur Chefsache der Insel, jeder Mann hat hier eine gewisse Zeit an der Instandhaltung zu investieren. Das der Bau besagter Wasserlebensadern nicht immer leicht war, beweist eine Überlieferung, wo für gut 800m Wasserkanal 30 Jahre benötigt wurden. Den dabei zu tote gekommenen Levadaerbauern hat man auch ein Denkmal gesetzt.

AW, steile Brandungswand entlang einer konkretionslosen netzwerkähnlichen Rissandeutung, welche im Trango-verdächtigen Stil eingerichtet wurde.
 

Falls es mal etwas feuchter von oben oder am Vorabend von innen war, so sollten man sich auf keinen fall die Höhlen entgehen lassen. Höhlen, oder besser große, begehbare Gaseinschlüsse im Tuffgestein, in welche durch weitere Erruptionen wieder Lavamassen eindrangen. zumindest ist es eine schier wundervolle Welt mit allerlei glitzernden Kristallen, Wasserkaskaden und allem was man in einer Tropfsteinhölle erwartet, außer Erwin, der war im Zimmer 14. Um in diese Höhle zu gelangen, bedarf es einer rasanten Fahrstuhlfahrt. Ihr werdet gespannt sein, hier liegt eines der meist gehütetsten Geheimnisse der Insel. Wieder draußen aus der Höhle, sind wir zum wesentlichen unserer Madeirareise gekommen, erst mal nen Kaffee trinken, vom feinsten Rindfleisch essen um im Anschluss kletterbares Reviers aufzustöbern. Wir sind gut 2,5 Tage hoch und runter gefahren, haben Gesteinsproben genommen und uns aufgrund der drohenden Abreise (wir hatten nur 7 Tage Zeit) für einen breiten Felsriegel in der Brandung entschieden. Himmelsrichtung NO, somit konnten wir bei unserer Klettertour die Anpresskraft des stark anliegenden NO-Windes nutzen. Da es keinen lebensfreundlichen Zugang von oben an die Kletterwände gab, musste in alter Manier, getreu dem Sächsischen Regelwerk von unten eingerichtet werden. Eine von Rissen durchzogenen Platte mit einem steilen Aufschwung zum ersten großen Standplatz. Dort platzierten wir zwei Bohrhaken und bohrten dann von oben zwei schöne Warmmachrouten ein.

Alter Weg und Sachsendreier, so heißen die ersten zwei Wege, die wir im Norden an der Küste einrichteten.

 
80'er Geburtstag auf der Kulm von eddie
 
Eddie und Fex (v.r.n.l.)
 

Am 24./25.09.2004 war es soweit. Der Olaf (ewiger zaudernder nichteintreten-wollender, aber trotzdem recht einfacher Mensch) und ich haben das reife Mannesalter erreicht. Wir gehören nun zu den jenigen, welche sich mit einer gewissen Gelassenheit zurücklehnen können und nicht mehr mit Kotzgeschichten, Stechversuchs-märchen und Zeeehnen auftrumpfen müssen.

Gekommen war viel junges Bergvolk sowie auch einige alte Säcke. Sogar weitgereiste Gäste aus fernen Bundesländern waren erschienen. War der Kulm anfänglich noch ein naßkalter, nebliger Ort verwandelte er sich für einige ziemlich schnell ins Märchenland, was man an Hand der Bilder einiger verzauberter Bergkameraden unschwer erkennen kann. Ein großes Lagerfeuer und DJ Frank heizten ordentlich ein um die anfangs steifen Pappmänner und -frauen auftauen zu lassen. Alle Yougster dachten - endlich auch mal 40 sein! Aber es ist ja bald soweit und damit wir alle keinen Durst leiden müssen, kommt jetzt jedes Jahr einer dran. In diesem Sinne.

Euer Eddie.

 




 
Sibirien 2004 von geraldo
 
Schöne Bilder einer Wodkaverkostung und vom Schwarzmarkt. Novosibirsk im Rausch

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